Was die Bundesagentur für Arbeit misst
Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit bewertet jedes Jahr, in welchen Berufen Fachkräfte fehlen. Dafür nutzt sie sechs Indikatoren, darunter die Vakanzzeit gemeldeter Stellen, das Verhältnis von Arbeitsuchenden zu Stellen, die berufsspezifische Arbeitslosenquote und die Entwicklung der Gehälter. Daraus entsteht ein Gesamtwert zwischen 0 und 3 Punkten. Ab 2,0 Punkten gilt ein Beruf als Engpassberuf. Für 2025 hat die Bundesagentur 157 Engpassberufe ausgewiesen.
| Heilmittelberuf | Engpasswert 2025 | Vakanzzeit 2025 (Median) |
|---|---|---|
| Physiotherapie | 2,8 | 168 Tage |
| Ergotherapie | 2,7 | 90 Tage |
| Sprachtherapie | 2,5 | 142 Tage |
| Podologie | 2,3 | 202 Tage |
Warum 90 Tage kein Grund zur Entwarnung sind
Auf den ersten Blick wirkt die Ergotherapie entspannter als die Physiotherapie. Das täuscht aus drei Gründen. Erstens zählt die Bundesagentur nur Stellen, die bei ihr gemeldet und am Ende tatsächlich besetzt wurden. Stellen, die nie besetzt werden oder die eine Praxis zurückzieht, fließen nicht ein. Zweitens ist es ein Median: Die Hälfte der Stellen braucht länger. Durchschnittswerte liegen wegen einzelner sehr lange offener Stellen höher, für die Physiotherapie nennt der IFK auf dieser Basis 304 Tage. Drittens vergibt die Bundesagentur schon ab 80 Tagen die höchste Stufe für diesen Indikator. Die Ergotherapie liegt darüber.
Woher der Mangel kommt
- Steigender Bedarf
Eine älter werdende Bevölkerung, mehr neurologische Erkrankungen und viele Verordnungen in der Pädiatrie erhöhen die Nachfrage nach Ergotherapie.
- Kleiner Kreis aktiv Suchender
Arbeitslose Ergotherapeuten gibt es kaum. Die meisten sind angestellt und wechseln nur, wenn ein Angebot spürbar besser passt.
- Konkurrenz um dieselben Köpfe
Praxen konkurrieren mit Kliniken, Reha-Einrichtungen, Schulen und Frühförderstellen, die oft tariflich bezahlen.
- Teilzeit und Berufswechsel
Nach unserer Erfahrung arbeiten viele Ergotherapeuten in Teilzeit oder wechseln in andere Bereiche, wenn Taktung und Gehalt dauerhaft nicht passen.
Was sich bei der Vergütung getan hat
Die GKV-Vergütung für Ergotherapie ist im Juni 2024 um 14,01 Prozent gestiegen und seit 1. Juli 2026 um weitere 4,11 Prozent. Die neuen Sätze gelten bundesweit bis Ende März 2027. Damit haben Praxen mehr Spielraum, Gehälter anzuheben, und Bewerber vergleichen genauer, wer diesen Spielraum weitergibt.
| Leistung | Regelleistungszeit | GKV-Preis seit 1.7.2026 |
|---|---|---|
| Motorisch-funktionelle Einzelbehandlung (X4102) | 45 Minuten, davon 30 Therapiezeit | 59,27 € |
| Sensomotorisch-perzeptive Einzelbehandlung (X4103) | 60 Minuten, davon 45 Therapiezeit | 79,03 € |
Beim Gehalt nennt der Entgeltatlas der Bundesagentur für vollzeitbeschäftigte Ergotherapeuten einen Median von 3.695 Euro brutto im Monat, über alle Einrichtungsarten hinweg. Was das für deine Praxis heißt, steht im Artikel Gehalt in der Ergotherapie.
Was Praxen selbst tun können
- 01Fachbereich klar benennen
Eine Stelle für Pädiatrie spricht andere Menschen an als eine für Geriatrie oder Psychiatrie. Nenne Klientel, Schwerpunkt und Arbeitsweise konkret.
- 02Gehalt als Spanne nennen
Eine konkrete Spanne zeigt, dass du die Vergütungserhöhungen ernst nimmst, und spart beiden Seiten Zeit.
- 03Nicht nur aktiv Suchende ansprechen
Regionale Kampagnen erreichen auch angestellte Ergotherapeuten, die bei einem besseren Angebot wechseln würden.
- 04Schnell reagieren
Melde dich innerhalb von 48 Stunden auf jede Bewerbung. Gute Kandidaten haben meist mehrere Optionen.
- 05Bindung stärken
Supervision, Fortbildungsbudget und eine Taktung mit Dokumentationszeit verhindern, dass du nachbesetzen musst.
Die Lage in deiner Region prüfen
Die Bundesagentur stellt ihre Engpassanalyse auch interaktiv bereit, gegliedert nach Bundesland und Anforderungsniveau. Gemeinsam mit dem Entgeltatlas ergibt das ein realistisches Bild für deinen Standort.
- 01Engpassanalyse aufrufen
In der interaktiven Engpassanalyse die Berufsgruppe Ergotherapie und dein Bundesland wählen.
- 02Vakanzzeit und Arbeitsuchende ansehen
Beide Werte zeigen, wie umkämpft der Markt in deiner Region ist.
- 03Gehalt im Entgeltatlas prüfen
Den Median für deine Region notieren und mit deinem Angebot vergleichen.
- 04Konsequenz ziehen
Liegt dein Angebot unter dem regionalen Niveau, hilft auch der beste Kanal nur begrenzt.
Was das für die Personalplanung heißt
| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Eine Kündigung ist eingegangen | Sofort suchen. Median 90 Tage plus Einarbeitung ist meist länger als die Kündigungsfrist. |
| Wachstum oder neuer Standort geplant | Mindestens sechs Monate Vorlauf einplanen. |
| Spezialisierte Stelle, etwa Handtherapie | Größeren Umkreis wählen und Fortbildung als Teil des Angebots nennen. |
| Physio und Ergo gesucht | Gemeinsam suchen, aber mit eigener Botschaft je Berufsgruppe. |
Häufige Fragen
Ja. In der Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit erreicht die Ergotherapie auf Spezialistenebene 2,7 von 3 Punkten. Ab 2,0 Punkten gilt ein Beruf als Engpassberuf. Nur die Physiotherapie liegt unter den Heilmittelberufen mit 2,8 Punkten höher.
Quellen und Datenstand
- up|unternehmen praxis: Engpassanalyse 2025 bestätigt erneut Fachkräftemangel in den Heilmittelberufen (09.10.2026)Engpasswerte und Vakanzzeiten 2025 für Physio-, Ergo-, Sprachtherapie und Podologie. Datenbasis: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, nur gemeldete Stellen.
- Bundesagentur für Arbeit: Fachkräfteengpassanalyse 2025157 Engpassberufe im Jahr 2025.
- Bundesagentur für Arbeit: Engpassanalyse, MethodikIndikatoren und Grenzwerte, höchste Stufe der Vakanzzeit ab 80 Tagen. Auch interaktiv nach Bundesland.
- AOK Fachportal: Ergotherapie, Vergütung steigt um 4,11 ProzentErhöhung seit 1. Juli 2026, Laufzeit bis 31. März 2027.
- Deutsches Ärzteblatt: Ergotherapie-Vergütung steigt um 14 ProzentErhöhung um 14,01 Prozent seit 1. Juni 2024.
- KV Schleswig-Holstein: Heilmittelpreise Stand Juli 2026Ergotherapie X4102 59,27 €, X4103 79,03 €.
- Medi-Karriere: Gehälter in TherapieberufenEntgeltatlas der Bundesagentur: Ergotherapie Median 3.695 €, Quartile 3.086 € und 4.336 €, Vollzeit.