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Marktanalyse

Branchenzahlen Physiotherapie 2026: Was Sparkassen- und ETL-Report über Praxen zeigen

471.000 Euro Umsatz, 53 Prozent Teilzeit, 3.773 Euro für erfahrene Neue: die wichtigsten Branchenzahlen und was sie für die Personalplanung bedeuten.

Hier geht es um Wirtschaftszahlen der Branche. Was das Spargesetz daran ändert, steht in GKV-Spargesetz und Physiotherapie, was eine offene Stelle kostet, in Kosten einer unbesetzten Stelle.

Zwei Reports, zwei Methoden

Zusammengefasst nach den Berichten von physio.de. Beide Reports sind kostenpflichtig beziehungsweise registrierungspflichtig.
ReportHerausgeberDatenbasisStand
Branchenreport Physiotherapie und Massagen 2025Sparkassen-FinanzgruppeBranchenanalyse mit Markt- und VersorgungsdatenJuli 2025
Branchenreport Physiotherapie (Eckdatenstudie) 2026ETL ADVISIONTelefonische Befragung von 500 Praxisleitungen im Februar und März 2026Juli 2026

Der Markt in Zahlen

KennzahlWertQuelle
Physiotherapeuten in Deutschlandrund 250.000Sparkasse
davon ambulant tätigrund 187.000, etwa 128.000 bis 129.000 VollzeitstellenSparkasse
Einwohner je Physiotherapeutrund 450Sparkasse
Branchenumsatz 2024rund 14 Mrd. €, davon 10,5 Mrd. GKV und 2 Mrd. PKVSparkasse
GKV-Ausgaben Physiotherapie4,1 Mrd. € (2015), 10 Mrd. € (2025)vdek
Heilmittelverordnungen Physiotherapie33 Mio. (2019), 32,5 Mio. (2024)Sparkasse

Die Zahlen zeigen zweierlei. Der Markt ist gewachsen, vor allem weil die Preise seit dem Ende der Grundlohnbindung 2017 und dem Terminservice- und Versorgungsgesetz 2019 deutlich gestiegen sind. Die Zahl der Verordnungen ist dagegen seit der Pandemie leicht gesunken. Mehr Umsatz kam also aus höheren Preisen, nicht aus mehr Behandlungen. Genau dieser Hebel wird mit dem GKV-Spargesetz ab 2027 enger.

Die durchschnittliche Praxis

KennzahlETL 2026Sparkasse 2025
Therapeutische Mitarbeiter je Praxis5,6 (entspricht 4,24 Vollzeitstellen)5,7
Teilzeitquote53 Prozentkeine Angabe
Jahresumsatz je Praxis471.000 €keine Angabe
Umsatz je Vollzeitkraft115.200 €Rohertrag je Therapeut rund 57.000 €
Anteil Personalkosten am Umsatzkeine Angabeüber 55 Prozent
Praxisfläche162,7 m², davon 85,3 m² Therapiekeine Angabe

Bemerkenswert ist die Teilzeit: Mehr als die Hälfte der Therapeuten arbeitet nicht in Vollzeit. Eine Praxis mit sechs Therapeuten hat damit oft nur gut vier Vollzeitstellen. Wer Kapazität plant, sollte deshalb in Vollzeitstellen rechnen, nicht in Köpfen.

Gehälter: Was neue Mitarbeiter bekommen

ETL-Eckdatenstudie 2026. Für erfahrene neue Mitarbeiter ein Plus von 241 Euro oder 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gemeint sind Einstiegsgehälter bei Neueinstellung, nicht der Durchschnitt aller Beschäftigten.
GruppeDurchschnitt bruttoSpanne
Berufseinsteiger2.991 €2.200 bis 3.800 €
Neue Mitarbeiter mit Berufserfahrung3.773 €2.700 bis 4.900 €
Berufserfahrene in Sachsenrund 3.600 €
Berufserfahrene in Hamburgknapp 4.000 €

Die Gehälter steigen also deutlich. Der Sparkassen-Report kommt zum selben Schluss: Noch nie haben Praxen einen so hohen Anteil ihres Umsatzes für Personal ausgegeben. Für Praxen heißt das: Wer bei Neueinstellungen deutlich unter diesen Werten bleibt, hat es im Wettbewerb um erfahrene Therapeuten schwer.

Warum Größe zum Faktor wird

Laut Sparkassen-Report rutscht die Marge von Praxen mit weniger als 250.000 Euro Jahresumsatz in den einstelligen Bereich. Steigende Personalkosten, Mieten, Nebenkosten und Dienstleister lassen sich nur mit einer gewissen Menge an Behandlungen tragen. Der Report rechnet mit einer Marktbereinigung, mit mehr Ketten und mit Investoren, die Praxen übernehmen, auch weil ältere Inhaber schwerer Nachfolger finden.

Die ETL-Studie zeigt die andere Seite: Neue Praxen werden größer und bauen Trainingsflächen. 362 der 500 befragten Praxen haben eine, im Schnitt 46,5 Quadratmeter. Damit wachsen auch Selbstzahlerangebote. Der durchschnittliche Monatsbeitrag für Training auf der Praxisfläche stieg von 36,65 Euro im Jahr 2023 auf 54,82 Euro. Mehr Fläche und mehr Angebote brauchen aber vor allem eines: Therapeuten, die sie betreuen.

Was die Zahlen für die Personalplanung bedeuten

  1. 01
    In Vollzeitstellen rechnen

    Bei mehr als 50 Prozent Teilzeit braucht eine zusätzliche Vollzeitstelle oft zwei Einstellungen.

  2. 02
    Gehälter am Markt ausrichten

    Die Einstiegsgehälter für Erfahrene liegen im Schnitt bei rund 3.770 Euro. Wer darunter bleibt, braucht andere starke Argumente.

  3. 03
    Kapazität ist Umsatz

    Wenn Preise langsamer steigen, wächst eine Praxis über mehr Behandlungen, also über mehr Therapeutenstunden.

  4. 04
    Wachstum planen statt reagieren

    Wer über die Schwelle von zwei bis drei Vollzeitstellen kommen will, sollte die nächste Einstellung planen, bevor die Warteliste überläuft.

  5. 05
    Team halten

    Bei steigenden Gehältern und knappen Fachkräften ist jede verhinderte Kündigung günstiger als jede Neubesetzung.

Privatpreise: große Spannbreite

Bei Privatpreisen gehen die Praxen sehr unterschiedlich vor. Laut ETL-Studie orientieren sich 43,4 Prozent an den Beihilfesätzen, 39,5 Prozent an den GKV-Preisen. Wer sich an der Beihilfe orientiert, berechnet meist den einfachen oder 1,2-fachen Satz, eine Krankengymnastik kostet dann rund 29,70 bis 34,80 Euro. Wer vom GKV-Preis ausgeht, verlangt häufig das 1,5- bis 1,8-fache, also rund 44 bis 53 Euro.

Dazu passt ein weiterer Befund: Nur 9,4 Prozent der Befragten geben an, über betriebswirtschaftliche Kenntnisse zu verfügen, 92 Prozent sehen sich vor allem als Therapeut. Und 41 Prozent stellen keine Ausfallrechnungen. Was dabei rechtlich gilt, steht im Artikel Ausfallhonorar in der Physiotherapie.

Regionale Unterschiede

Sparkassen-Branchenreport 2025. Die Unterschiede bleiben laut Report auch nach Berücksichtigung von Alter und Morbidität bestehen.
RegionGKV-Behandlungen je Versichertem und JahrGKV-Umsatz je Versichertem
Sachsenrund 5,6185 €
Sachsen-Anhalt4,9164 €
Mecklenburg-Vorpommern4,8161 €
Bundesdurchschnitt3,6125 €
Hessen2,892 €
Westfalen-Lippe2,5keine Angabe

Für das Recruiting heißt das: Nachfrage und Gehaltsniveau unterscheiden sich je nach Region stark. Eine bundesweite Durchschnittszahl ersetzt keine regionale Einschätzung. Mehr dazu im Artikel Physiotherapeuten-Vermittlung in Deutschland.

Häufige Fragen

Laut ETL-Eckdatenstudie 2026 rund 471.000 Euro im Jahr bei durchschnittlich 5,6 therapeutischen Mitarbeitern. Je Vollzeitkraft sind es rund 115.200 Euro.

Quellen und Datenstand

  1. physio.de: Kosten, Einnahmen und bemerkenswerte Länderunterschiede (19.05.2026)Zusammenfassung des Sparkassen-Branchenreports Physiotherapie und Massagen 2025: Beschäftigte, Branchenumsatz, Personalkostenquote, Verordnungen, Margen kleiner Praxen, regionale Unterschiede.
  2. Sparkassen-Branchenreport Physiotherapie, Massagen 2025Originalbericht, kostenpflichtig, Stand 23.07.2025.
  3. physio.de: Die Praxen verändern sich (04.07.2026)Zusammenfassung der ETL-Eckdatenstudie 2026: Umsatz, Teilzeit, Fläche, Selbstzahler, Gehälter, Privatpreise, Ausfallrechnungen.
  4. ETL ADVISION: Branchenreport PhysiotherapieOriginalstudie, kostenlose Registrierung erforderlich. Befragung von 500 Praxisleitungen, Februar und März 2026.
  5. vdek: Pressemitteilung zum Physiotherapieberufereformgesetz (27.10.2026)GKV-Ausgaben für Physiotherapie 4,1 Mrd. € (2015) und 10 Mrd. € (2025).
  6. Hinweis zur RechnungDie Umrechnung von 250.000 Euro Umsatz in Vollzeitstellen ist eine eigene Beispielrechnung auf Basis der ETL-Werte.

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