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Kostenanalyse

Kosten einer unbesetzten Stelle in der Physiotherapie: Die vollständige Rechnung

Entgangener Umsatz, eingesparte Personalkosten, Folgekosten: offen gerechnet, mit Rechner für deine Praxis.

Warum Vakanzkosten unterschätzt werden

„Solange niemand das Gehalt bezieht, kostet mich die Stelle nichts.“ Das ist das teuerste Missverständnis im Praxismanagement. Eine Vakanz erzeugt keine Rechnung, aber jeden Tag fehlen Behandlungen, die nicht stattfinden. In keiner BWA steht dieser Posten, deshalb wird der Druck, schnell zu besetzen, oft unterschätzt.

Die Rechenbasis

Vereinfachtes Beispiel. Eine realistischere Gegenrechnung folgt weiter unten, im Rechner setzt du deine eigenen Zahlen ein.
AnnahmeWertHinweis
Behandlungen pro Tag16Vollzeitstelle an einem voll belegten Arbeitstag
Umsatz pro Behandlung32 €Mischwert aus Kassen- und Privatleistungen, je nach Praxis anders
Arbeitstage pro Monat20240 pro Jahr, ohne Abzug von Urlaub und Krankheit

Die Rechnung für einen Monat

PositionBerechnungBetrag
Entgangener Umsatz pro Tag16 × 32 €512 €
Entgangener Umsatz pro Monat512 € × 20 Tage10.240 €
Eingesparte PersonalkostenBruttogehalt plus Arbeitgeberanteilrund 4.000 €
Deckungsbeitragsverlust pro Monat10.240 € minus 4.000 €rund 6.200 €

Im vereinfachten Beispiel sind das bei drei Monaten Vakanz rund 18.700 Euro, bei sechs Monaten rund 37.400 Euro. Mit Urlaub, Krankheit und 85 Prozent Auslastung gerechnet, liegen die Werte eher bei rund 9.000 bis 10.500 Euro beziehungsweise 18.000 bis 21.000 Euro. Laut Bundesagentur für Arbeit blieben gemeldete Physiotherapiestellen 2025 im Schnitt 304 Tage unbesetzt, das sind rund zehn Monate.

Rechner: Was kostet deine Vakanz?

Entgangener Umsatz pro Tag
512 €
Pro Monat
10.240 €
Über die gesamte Vakanz
61.440 €

Vereinfachtes Beispiel: 20 Arbeitstage pro Monat, 240 pro Jahr, volle Auslastung. Gezeigt wird entgangener Umsatz, nicht Gewinn. Urlaub, Krankheit, schwankende Auslastung sowie eingesparte Personal- und Materialkosten senken den tatsächlichen Verlust. Mehrbelastung im Team, Patientenabwanderung und Zeitaufwand der Praxisleitung kommen hinzu, sind aber bewusst nicht eingerechnet.

Was dazukommt, aber nicht addiert wird

Diese Folgen sind real, lassen sich aber nicht seriös in Euro fassen. Wir rechnen sie deshalb bewusst nicht in den Betrag ein.

  • Mehrbelastung im Team

    Kollegen übernehmen Patienten, Pausen werden kürzer, das Risiko einer weiteren Kündigung steigt.

  • Patientenabwanderung

    Wer lange auf Termine wartet, wechselt die Praxis und kommt oft nicht zurück.

  • Zeit der Praxisleitung

    Terminplanung mit Lücken, Bewerbungen sichten, Gespräche führen.

  • Einarbeitung

    Auch nach der Einstellung dauert es einige Wochen bis zur vollen Leistung.

Teilzeitstellen

Bei einer halben Stelle halbieren sich Umsatz und eingesparte Personalkosten ungefähr. Der Aufwand für Terminplanung und Koordination bleibt dagegen ähnlich hoch.

Wie Praxen Vakanzkosten senken

  1. 01
    Sofort mit der Suche beginnen

    Mit Eingang der Kündigung, nicht nach Ablauf der Frist. Im besten Fall ist jemand im Gespräch, bevor die Stelle frei wird.

  2. 02
    Den richtigen Kanal kennen

    Wer einen funktionierenden Weg schon kennt, verliert beim nächsten Mal keine Wochen mit Recherche.

  3. 03
    Bindung stärken

    Jährliche Gehaltsgespräche, festes Fortbildungsbudget, flexible Modelle, strukturiertes Onboarding.

So wird die Rechnung realistischer

Die Rechnung oben ist bewusst einfach: volle Auslastung an 20 Arbeitstagen im Monat. In der Praxis arbeitet eine Vollzeitkraft nach Abzug von Urlaub und Krankheitstagen eher rund 200 statt 240 Tage im Jahr, und nicht jeder Termin ist belegt. Während der Vakanz sparst du außerdem neben dem Gehalt variable Kosten wie Material.

Beispielwerte, weitere eingesparte variable Kosten senken den Betrag zusätzlich. Weiche Folgekosten sind nicht eingerechnet.
AnnahmeVereinfachtRealistischer
Arbeitstage pro Jahr240rund 200
Auslastung100 Prozent85 Prozent
Umsatz pro Jahrrund 122.900 €rund 87.000 €
Umsatz pro Monat10.240 €rund 7.250 €
Abzüglich Personalkostenrund 4.000 €rund 4.000 €
Deckungsbeitragsverlust pro Monatrund 6.200 €rund 3.000 bis 3.500 €

Drei Praxisgrößen im Vergleich

Wie schwer eine Vakanz wiegt, hängt davon ab, welchen Anteil der Kapazität die fehlende Person ausmacht. Die Euro-Beträge bleiben gleich, die Auswirkung auf den Betrieb nicht.

PraxisAnteil der fehlenden KapazitätTypische Folge
Einzelpraxis mit 3 Therapeutenrund ein DrittelInhaber behandelt selbst mehr, Warteliste wächst schnell
Gemeinschaftspraxis mit 6 Therapeutenrund ein SechstelTeam fängt auf, Belastung steigt spürbar
Zentrum mit 15 Therapeutenunter zehn ProzentKurzfristig tragbar, Schwerpunkte fehlen

Warum der Startzeitpunkt so viel ausmacht

Eine Praxis startet die Suche erst nach Ablauf der dreimonatigen Kündigungsfrist. Eine zweite startet mit Eingang der Kündigung. Bei gleich langer Suche ist die Stelle bei der zweiten Praxis rund drei Monate kürzer unbesetzt. Selbst mit der realistischeren Rechnung sind das etwa 9.000 bis 10.500 Euro Deckungsbeitrag, bevor man Teambelastung und Patientenabwanderung betrachtet.

So rechnest du mit deinen eigenen Zahlen

  1. 01
    Tatsächlichen Jahresumsatz der Stelle ermitteln

    Nimm aus Abrechnung oder Praxissoftware den Umsatz, den die Person, die geht, in den letzten zwölf Monaten tatsächlich erzielt hat. Urlaub, Krankheit, Absagen und Auslastung sind darin bereits enthalten.

  2. 02
    Durch zwölf teilen

    Das ergibt den durchschnittlichen Monatsumsatz der Stelle.

  3. 03
    Eingesparte Kosten abziehen

    Bruttogehalt plus rund 21 Prozent Arbeitgeberanteil sowie variable Kosten wie Material, die während der Vakanz wegfallen.

  4. 04
    Ergebnis

    Der verbleibende Betrag ist dein Deckungsbeitragsverlust pro Monat. Weiche Folgekosten wie Teambelastung kommen hinzu.

Häufige Fragen

Im vereinfachten Beispiel mit 16 Behandlungen zu je 32 Euro an 20 Arbeitstagen fehlen rund 10.240 Euro Umsatz, nach eingesparten Personalkosten bleiben etwa 6.200 Euro Deckungsbeitragsverlust. Dieses Beispiel geht von voller Auslastung ohne Urlaub und Krankheit aus. Rechnet man mit rund 200 Arbeitstagen im Jahr und 85 Prozent Auslastung, liegt der Verlust eher bei rund 3.000 bis 3.500 Euro im Monat. Teambelastung und Patientenabwanderung kommen in beiden Fällen hinzu.

Quellen und Datenstand

  1. IFK: Wachstum: Vakanzen, Schüler, Absolventen (18.02.2026)Vakanzzeit 2025: 304 Tage, Datenbasis Bundesagentur für Arbeit, nur der BA gemeldete Stellen.
  2. gehalt.de: Gehalt in der KrankengymnastikMedian 3.461 € brutto bei 40 Wochenstunden, Grundlage für die geschätzten Personalkosten.
  3. Hinweis zur RechnungVereinfachtes Modell mit 16 Behandlungen zu je 32 € und 20 Arbeitstagen. Urlaub, Krankheit, Auslastung und eingesparte Materialkosten sind gesondert im Text erläutert.

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