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Gesundheitspolitik

Neues Berufsgesetz Physiotherapie: Was der Referentenentwurf für Praxen und Recruiting bedeutet

Zwei Wege in den Beruf, Ausbildungsvergütung ab 2029, Praxen als Ausbildungsbetriebe: was geplant ist und was das für die Personalgewinnung bedeutet.

Hier geht es um Ausbildung und Berufsrecht. Die aktuellen Regeln zu Vergütung und Zuzahlung stehen in GKV-Spargesetz und Physiotherapie.

Was geplant ist

Zusammengefasst nach up|unternehmen praxis und dem Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vom 26.10.2026. Der Entwurf kann sich im Gesetzgebungsverfahren noch ändern.
PunktInhalt laut Referentenentwurf
GesetzPhysiotherapieberufereformgesetz, ersetzt das Masseur- und Physiotherapeutengesetz von 1994 durch zwei Berufsgesetze: Physiotherapie und Medizinische Massagetherapie
Inkrafttreten1. Januar 2028
Weg 1Dreijährige Ausbildung an der Berufsfachschule, Zugang weiter mit mittlerem Schulabschluss
Weg 2Duales Studium mit sieben bis acht Semestern und Vertrag mit einer Praxiseinrichtung, Abschluss Bachelor of Science
ZertifikatspositionenDie Kompetenzen werden Teil der regulären Ausbildung, teure Zusatzqualifikationen nach der Ausbildung sollen für künftige Absolventen entfallen
Schulgeld und VergütungSchulgeld entfällt, Ausbildungsvergütung ab 1. Januar 2029
PraxenKönnen freiwillig Träger der praktischen Ausbildung werden, mit Refinanzierung über Pauschalen des GKV-Spitzenverbands
DirektzugangWird im Entwurf nicht geregelt

Zwei Qualifikationsstufen

Eine Vollakademisierung lehnt das Ministerium ausdrücklich ab. Stattdessen entstehen zwei Abschlüsse. Laut vdek sollen künftig 10 bis 20 Prozent der Physiotherapeuten akademisch ausgebildet werden. Absolventen des Studiums dürfen heilkundliche Maßnahmen eigenverantwortlich durchführen, also eine eigene physiotherapeutische Diagnostik stellen und über Art, Auswahl, Dauer und Frequenz der Behandlung entscheiden.

Laut Begründung kann das perspektivisch zu einem Direktzugang führen. Den Direktzugang selbst regelt der Entwurf aber nicht, dafür fehlen die sozialrechtlichen Regeln. Auch wie heutige Bachelor-Abschlüsse eingeordnet werden, lässt der Entwurf laut physio.de weitgehend offen.

Praxen als Ausbildungsbetriebe

Für Praxisinhaber ist das der wichtigste Punkt. Praxen können künftig, wenn sie möchten, reguläre Träger der praktischen Ausbildung werden. Dafür gelten laut Entwurf feste Anforderungen:

  • Ausbildungsvertrag: schriftlich, für Auszubildende gelten weitgehend die Regeln des Arbeitsrechts.
  • Praxisanleitung: Mindestens 25 Prozent der praktischen Ausbildungszeit müssen angeleitet sein. Die Länder dürfen diesen Anteil bis Ende 2036 auf bis zu 15 Prozent senken.
  • Praxisanleiter: mindestens zwei Jahre Berufserfahrung, eine berufspädagogische Zusatzqualifikation von 200 Stunden und regelmäßige Fortbildung.
  • Refinanzierung: Ausbildende Praxen erhalten vom GKV-Spitzenverband eine Pauschale je Auszubildendem für die Mehrkosten der praktischen Ausbildung und die Ausbildungsvergütung, dazu eine eigene Pauschale für die Qualifikation der Praxisanleiter.

Was das für das Recruiting bedeutet

  • Ein neuer Weg zu Nachwuchs

    Wer selbst ausbildet, lernt künftige Mitarbeiter drei Jahre lang kennen und kann sie früh an die Praxis binden.

  • Praxisanleitung als Karriereschritt

    Erfahrene Therapeuten können sich als Praxisanleiter qualifizieren. Das ist eine Entwicklungsperspektive, die heute vielen Praxen fehlt.

  • Fortbildung als Argument verändert sich

    Wenn Zertifikatsinhalte Teil der Ausbildung werden, verliert das bezahlte Zertifikat für künftige Absolventen an Gewicht. Andere Fortbildungen und Spezialisierungen bleiben ein Argument.

  • Zwei Gruppen mit unterschiedlichen Erwartungen

    Bachelor-Absolventen mit erweiterten Kompetenzen werden andere Aufgaben und vermutlich andere Gehälter erwarten als Fachschulabsolventen.

Was sich kurzfristig nicht ändert

Selbst wenn das Gesetz wie geplant 2028 in Kraft tritt, schließen die ersten Jahrgänge nach neuem Recht frühestens rund drei Jahre später ab. Bis dahin bleibt der Arbeitsmarkt, wie er ist: Physiotherapie hat laut Fachkräfteengpassanalyse 2025 den höchsten Engpasswert aller Spezialistenberufe, gemeldete Stellen blieben im Median 168 Tage offen. Wer heute eine Stelle besetzen muss, besetzt sie im heutigen Markt. Die Reform ist ein Thema für die Personalplanung der nächsten Jahre, nicht für die offene Stelle von morgen.

Was Praxen jetzt tun können

  1. 01
    Prüfen, ob Ausbilden passt

    Reichen Räume, Patientenspektrum und Teamgröße, um eine Ausbildung mit 25 Prozent Anleitung zu begleiten?

  2. 02
    Mögliche Praxisanleiter finden

    Welche Mitarbeiter haben mindestens zwei Jahre Erfahrung und Interesse an der Anleitung? Die 200 Stunden Zusatzqualifikation brauchen Vorlauf.

  3. 03
    Kontakt zu Schulen aufbauen

    Wer heute schon Praktikumsplätze anbietet, hat später einen Vorsprung als Ausbildungsbetrieb.

  4. 04
    Das Verfahren verfolgen

    Höhe der Pauschalen, Übergangsregeln und Details können sich bis zum Beschluss noch ändern.

  5. 05
    Akute Stellen jetzt besetzen

    Die Reform löst den Engpass der nächsten Jahre nicht. Offene Stellen brauchen weiter eine aktive Suche.

Der Zeitplan

DatumSchritt
26. Oktober 2026Veröffentlichung des Referentenentwurfs durch das Bundesgesundheitsministerium
DanachAnhörung von Ländern und Verbänden, Kabinettsbeschluss, Beratung in Bundestag und Bundesrat, Termine noch offen
1. Januar 2028Geplantes Inkrafttreten
1. Januar 2029Ausbildungsvergütung für Auszubildende in der Physiotherapie
bis Ende 2036Länder dürfen den Anteil angeleiteter Praxiszeit auf bis zu 15 Prozent senken

Offene Fragen

  • Wie hoch fallen die Pauschalen für ausbildende Praxen aus, und decken sie Vergütung und Anleitungszeit?
  • Wie viele Praxen können die Anforderungen an Praxisanleitung erfüllen, gerade kleine Teams?
  • Wie werden heutige Bachelor-Abschlüsse und vorhandene Zertifikate eingeordnet?
  • Wann und wie kommt der Direktzugang, den der Entwurf nur als Perspektive nennt?

Und Ergo und Logo?

Die Reform betrifft nur die Physiotherapie und die Massage. Laut Deutschem Ärzteblatt sollen die Berufsgesetze weiterer Gesundheitsberufe nach und nach folgen, darunter Logopädie und Ergotherapie. Was die Lage in diesen Berufen bedeutet, steht in Fachkräftemangel Ergotherapie und Fachkräftemangel Logopädie.

Häufige Fragen

Ein Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vom 26. Oktober 2026. Er soll das Masseur- und Physiotherapeutengesetz von 1994 ablösen, die Ausbildung modernisieren und am 1. Januar 2028 in Kraft treten.

Quellen und Datenstand

  1. Bundesministerium für Gesundheit: Referentenentwurf Physiotherapieberufereformgesetz (26.10.2026)Entwurf eines Gesetzes zur Reform der Berufe in der Physiotherapie und zur Änderung weiterer Vorschriften.
  2. up|unternehmen praxis: Ausbildungsreform in der Physiotherapie, der Referentenentwurf im Überblick (23.10.2026)Inkrafttreten, zwei Ausbildungswege, Zertifikatspositionen, Anforderungen an Ausbildungsbetriebe, Ausbildungsvergütung und Pauschalen.
  3. vdek: Pressemitteilung zum Referentenentwurf (27.10.2026)Akademisierungsquote 10 bis 20 Prozent, erwartete GKV-Mehrbelastung rund 260 Mio. € jährlich, Forderung nach PKV-Beteiligung.
  4. physio.de: Neues Berufsgesetz, Referentenentwurf liegt vor (24.10.2026)Einordnung zu Direktzugang, Bachelor-Abschlüssen und Zertifikaten.
  5. Deutsches Ärzteblatt: Physiotherapie soll weiterentwickelt werdenTeilakademisierung statt Vollakademisierung, Perspektive für weitere Gesundheitsberufe.
  6. up|unternehmen praxis: Engpassanalyse 2025 (09.10.2026)Physiotherapie 2025: Engpasswert 2,8, Vakanzzeit 168 Tage (Median).
  7. HinweisStand Referentenentwurf. Inhalte können sich im Gesetzgebungsverfahren ändern. Keine Rechtsberatung.

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