Was beschlossen wurde
Bundestag und Bundesrat haben das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz am 10. Juli 2026 beschlossen, am 30. Juli 2026 ist es in Kraft getreten. Die Bundesregierung begründet es mit einer Deckungslücke der Krankenkassen von 15,3 Milliarden Euro für 2027. Für die Logopädie sind zwei der drei Heilmittel-Regelungen relevant, denn die dritte betrifft die Blankoverordnung, die es in der Logopädie nicht gibt.
| Regelung | Was gilt | Betrifft Logopädie |
|---|---|---|
| Grundlohnbindung | Vergütungssteigerungen höchstens in Höhe der Grundlohnrate, 2027 bis 2029 zusätzlich minus ein Prozentpunkt | Ja, ab der Vergütungsrunde 2027 |
| Zuzahlung | 15 € statt 10 € je Verordnung, weiterhin 10 Prozent der Behandlungskosten, unter 18 Jahren zuzahlungsfrei | Ja, ab 1. Januar 2027 |
| Blankoverordnung | Versorgungsbezogene Pauschale entfällt | Nein, die Versorgungsform gibt es in der Logopädie nicht |
Grundlohnbindung: die letzte Erhöhung vor dem Deckel
Zum 1. Juli 2026 stiegen die Preise in der Logopädie noch einmal deutlich. Die wichtigste Position, die Einzeltherapie mit 45 Minuten, stieg von 71,76 auf 76,06 Euro. Die Erhöhung war ursprünglich zum Jahresbeginn erwartet worden. Künftige Runden werden unter dem neuen Deckel verhandelt: Für 2027 dürfen die Preise laut Rebmann Research auf Basis einer Bekanntmachung des Bundesgesundheitsministeriums im Schnitt höchstens um 3,42 Prozent steigen.
| Jahr | Preis 45 Minuten bei maximaler Steigerung | Zum Vergleich: Kosten plus 4 Prozent pro Jahr |
|---|---|---|
| 2026 | 76,06 € | Index 100 |
| 2027 | 78,66 € (plus 3,42 %) | Index 104 |
Zuzahlung: was sich für Patienten ändert
| Zehn Einheiten Einzeltherapie 45 Minuten | Bis 31.12.2026 | Ab 1.1.2027 |
|---|---|---|
| Verordnungswert (10 × 76,06 €) | 760,60 € | 760,60 € |
| Pauschale je Verordnung | 10,00 € | 15,00 € |
| 10 Prozent der Behandlungskosten | 76,06 € | 76,06 € |
| Zuzahlung gesamt | 86,06 € | 91,06 € |
Für die Kindertherapie, die in vielen Logopädiepraxen einen großen Teil ausmacht, ändert sich an der Anmeldung nichts. Spürbar wird die Erhöhung bei Erwachsenen mit langfristigem Bedarf, etwa bei Aphasie nach einem Schlaganfall oder Schluckstörungen bei Parkinson. Ob die Mehrbelastung ankommt, hängt von der Belastungsgrenze ab: 2 Prozent der Bruttoeinnahmen, bei chronisch Kranken 1 Prozent.
Was Logopädiepraxen jetzt tun können
- 01Deckungsbeitrag je Einheit kennen
Was bleibt von 76,06 Euro nach Gehalt, Raum, Material und Verwaltung? Wer das weiß, sieht früh, wo die Marge kippt.
- 02Ausfälle senken
Gerade in der Kindertherapie fallen Termine häufig aus. Erinnerungen und eine Nachrückliste sichern Umsatz.
- 03Anmeldung vorbereiten
Eine klare Sprachregelung zur neuen Rezeptgebühr bei Erwachsenen und ein Hinweis auf die Belastungsgrenze.
- 04Selbstzahlerangebote prüfen
Stimmtraining, Kurse oder Beratung für Kitas unterliegen nicht der GKV-Grundlohnbindung.
- 05Kapazität aufbauen
Wenn der Preis begrenzt ist, wächst die Praxis über mehr Behandlungen. Dafür braucht es Logopäden.
- 06Team halten
Bei langen Vakanzzeiten ist jede verhinderte Kündigung günstiger als jede Neubesetzung.
Warum Personal jetzt entscheidet
Der Umsatz einer Kassenpraxis ergibt sich aus Preis mal Menge. Der Preis ist ab 2027 gedeckelt, die Menge hängt an den Therapeutenstunden. Die Nachfrage ist da, das Angebot an Fachkräften nicht: Die Sprachtherapie erreicht in der Engpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit einen Engpasswert von 2,5 von 3, gemeldete Stellen blieben im Schnitt 142 Tage offen, nach 132 Tagen im Vorjahr.
Bei 142 Tagen Vakanzzeit summiert sich das schnell auf mehrere Monate ohne Umsatz. Gleichzeitig wird der Spielraum für Gehaltserhöhungen enger. Umso wichtiger werden Argumente jenseits des Gehalts: planbare Arbeitszeiten, Zeit für Berichte und Elterngespräche, fachliche Schwerpunkte und Fortbildung.
Warum die Logopädie keine Blankoverordnung hat
Die Blankoverordnung gibt es bisher nur in Ergo- und Physiotherapie. In der Logopädie lehnen die Berufsverbände sie ab: Der dbl fordert stattdessen den Direktzugang, und auch der dbs sieht in der Blankoverordnung keinen sinnvollen Weg, weil die Therapiefreiheit in der Logopädie schon heute groß ist. Der Wegfall der Pauschale trifft die Logopädie deshalb nicht direkt. Wer erweiterte Verantwortung nicht mehr vergütet, macht aber jede künftige Debatte über mehr therapeutische Autonomie wirtschaftlich schwieriger.
Checkliste für Logopädiepraxen
- Abrechnung umstellen: Praxissoftware auf die neue Zuzahlung zum 1. Januar 2027 einstellen. Maßgeblich für die Preisberechnung ist der erste Behandlungstag.
- Anmeldung vorbereiten: Sprachregelung für Erwachsene, Hinweis auf die Belastungsgrenze, Familien beruhigen.
- Kosten je Einheit kennen: Gehalt, Raum, Material und Verwaltung je Behandlung berechnen.
- Ausfallquote messen: Wie viele Termine fallen im Monat aus, und wie viele lassen sich nachbesetzen?
- Personalplanung starten: Offene oder absehbare Stellen früh angehen, bei 142 Tagen Vakanzzeit zählt jeder Monat.
Häufige Fragen
Ab 2027 sind Preissteigerungen an die Grundlohnrate gebunden, 2027 bis 2029 zusätzlich mit einem Abschlag von einem Prozentpunkt. Ab Januar 2027 steigt die Rezeptgebühr für Erwachsene von 10 auf 15 Euro.
Quellen und Datenstand
- therapeutenonline.de: GKV-Spargesetz beschlossen (Juli 2026)Grundlohnrate minus ein Prozentpunkt, Preis 45 Minuten von 71,76 auf 76,06 €, Zuzahlungsbeispiel, Blankoverordnung und Haltung von dbl und dbs.
- buchner: GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, was ändert sich für Heilmittelpraxen?Inkrafttreten am 30. Juli 2026, keine Kürzung bestehender Vergütungen.
- Rebmann Research: Spargesetz trifft auch Physiotherapeuten (29.09.2026)Höchstens 3,42 Prozent Preissteigerung 2027 laut BMG-Bekanntmachung.
- Haufe: Bundesrat billigt GKV-BeitragssatzstabilisierungsgesetzBegründung der Bundesregierung, Deckungslücke 15,3 Mrd. € für 2027.
- up|unternehmen praxis: Engpassanalyse 2025 (09.10.2026)Sprachtherapie: Engpasswert 2,5, Vakanzzeit 142 Tage (2024: 132 Tage).
- HinweisRechnungen zu Preisen und Vakanzkosten sind Beispiele. Keine Rechts- oder Steuerberatung.