Von der Suche über den Arbeitsvertrag bis zum gelungenen Onboarding – was Praxisinhaber heute wissen müssen, bevor sie einen Therapeuten einstellen.
Wer einen Physiotherapeuten einstellt, trifft eine der folgenreichsten Entscheidungen in der Praxisführung. Eine Fehlbesetzung kostet nicht nur erneute Recruiting-Kosten – sie bindet Zeit, belastet das Team und schadet langfristig dem Patientenaufkommen.
Bevor die Suche beginnt, sollten folgende Fragen klar beantwortet sein:
Teilzeitmodelle (20–30 Std.) erschließen einen deutlich breiteren Kandidatenkreis – besonders bei Therapeutinnen mit familiären Verpflichtungen.
Manuelle Therapie, Sportphysio, Neurologie, Pädiatrie – ein klar definiertes Anforderungsprofil spart Zeit im Auswahlprozess.
Gehalt, Taktung, Fortbildungsbudget, Flexibilität – je klarer die Praxis ihr Angebot kennt, desto überzeugender kann sie es kommunizieren.
Realistischer Planungshorizont: Mit Social Recruiting 4–8 Wochen, mit Stellenportalen 3–5 Monate. Frühzeitig starten spart Opportunitätskosten.
Das größte Missverständnis beim Recruiting: Der Großteil qualifizierter Physiotherapeuten sucht nicht aktiv. Stellenportale und Personalvermittler bedienen nur den kleinen aktiv suchenden Anteil – schätzungsweise 20–25% des Marktes.
Therapeuten, die gerade nicht aktiv suchen, haben ihren Job nicht aufgrund von schlechter Leistung verloren. Sie wechseln aus positiven Motiven – besseres Angebot, bessere Rahmenbedingungen. Das macht sie oft zu stabileren Langzeitangestellten.
Das Gehalt ist der wichtigste Hebel – und der häufigste Grund, warum Praxen keine Bewerbungen bekommen. Wer unter Marktniveau bezahlt, sieht das im Bewerbungseingang sofort.
| Vergütungskomponente | Betrag / Richtwert | Hinweis |
|---|---|---|
| Bruttogehalt Vollzeit | 2.800–3.800 € | Je nach Erfahrung, Region, Spezialisierung |
| Arbeitgeberanteil Sozialversicherung | ~20% des Bruttos | Kranken-, Renten-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung |
| Fortbildungsbudget (empfohlen) | 500–1.500 € / Jahr | Bindungsfaktor, wirkt auf Arbeitgeberattraktivität |
| Fahrtkosten / Benefits | variabel | Jobticket, Parkplatz, Gesundheitsbudget |
| Gesamtkosten pro Monat (Vollzeit) | ca. 3.400–4.600 € | Arbeitgeberseitige Gesamtkosten inkl. Nebenkosten |
Praxen, die das Gehalt offen kommunizieren, bekommen mehr und bessere Bewerbungen. Floskeln wie „leistungsgerechte Vergütung" werden von erfahrenen Therapeuten als Warnsignal gewertet.
Ein rechtssicherer Arbeitsvertrag schützt beide Seiten. Diese Punkte sollten immer schriftlich geregelt sein:
Welche Behandlungsformen, welche Patientengruppen, ggf. Verwaltungsaufgaben oder Praxisorganisation.
Wochenstunden, Verteilung auf Wochentage, Regelung von Überstunden und Freizeitausgleich.
Bruttogehalt, Auszahlungstermin, ggf. Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Bonusregelungen.
Gesetzliches Minimum: 20 Tage (5-Tage-Woche). Marktüblich in der Physiotherapie: 25–30 Tage.
Probezeit max. 6 Monate, Kündigung während der Probezeit mit 2 Wochen Frist. Danach gesetzliche Staffelung.
Wer trägt die Kosten? Gibt es eine Rückzahlungsklausel bei frühem Austritt? Klare Schriftform vermeidet Konflikte.
Therapeuten sind gesetzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet – eine Klausel im Vertrag unterstreicht das und schafft Klarheit.
Wer zum ersten Mal einen Mitarbeiter einstellt – oder nach längerer Pause wieder – sollte diese Pflichten kennen:
Die staatliche Anerkennung als Physiotherapeut (Urkunde) muss vor Arbeitsbeginn vorliegen. Bei Therapeuten aus dem Ausland: Anerkennungsbescheid der zuständigen Behörde prüfen.
Der Arbeitnehmer muss vor Arbeitsbeginn bei der Krankenkasse angemeldet werden. Die Meldung erfolgt über das Lohnbuchhaltungssystem oder einen Steuerberater.
Jede Praxis muss bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) gemeldet sein. Neue Mitarbeiter werden dort ebenfalls erfasst.
Der Arbeitgeber ist für den korrekten Lohnsteuerabzug zuständig. Die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELSTAM) werden automatisch abgerufen.
Wer als Leistungserbringer mit den Krankenkassen abrechnet, muss die vertraglichen Anforderungen an Qualifikation und Personalschlüssel im Blick behalten. Bei Neueinstellungen ggf. Kassenmitteilung erforderlich.
Die Lohnabrechnung in einer Praxis mit mehreren Mitarbeitern ist komplex. Ein auf Gesundheitsberufe spezialisierter Steuerberater spart Zeit, vermeidet Fehler und hält die Abrechnungen aktuell.
Die häufigste Ursache für frühe Abgänge ist kein schlechtes Gehalt – es ist ein schlechtes Onboarding. Wer die ersten Wochen nicht strukturiert gestaltet, riskiert, dass ein guter Therapeut nach der Probezeit wieder geht.
Arbeitsplatz eingerichtet, Zugänge vergeben, Team informiert. Ein neuer Therapeut, der am ersten Tag auf Chaos trifft, zieht sofort die richtigen Schlüsse.
Praxis, Team, Abläufe, Software – alles strukturiert einführen. Kein voller Terminkalender am ersten Tag.
Kurze wöchentliche Check-ins vermeiden, dass Probleme unausgesprochen bleiben. Fragen wie „Was läuft gut? Was ist noch unklar?" signalisieren echtes Interesse.
Nicht abwarten, bis die Probezeit endet. Ein strukturiertes Gespräch nach 4–6 Wochen zeigt, dass die Praxis langfristig denkt.
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