Ratgeber für Praxisinhaber

Physiotherapeut einstellen: Der komplette Leitfaden für Praxen

Von der Suche über den Arbeitsvertrag bis zum gelungenen Onboarding – was Praxisinhaber heute wissen müssen, bevor sie einen Therapeuten einstellen.

⏱ 8 Min. Lesezeit ✍️ TheraTalent Redaktion
Inhalt
  1. Vorbereitung: Was vor der Suche geklärt sein muss
  2. Den richtigen Kandidaten finden
  3. Gehalt und Vergütung: Was marktgerecht ist
  4. Arbeitsvertrag: Was hineingehört
  5. Rechtliche Pflichten beim Einstellen
  6. Onboarding: Damit die Einstellung auch hält
  7. Häufige Fragen
01

Vorbereitung: Was vor der Suche geklärt sein muss

Wer einen Physiotherapeuten einstellt, trifft eine der folgenreichsten Entscheidungen in der Praxisführung. Eine Fehlbesetzung kostet nicht nur erneute Recruiting-Kosten – sie bindet Zeit, belastet das Team und schadet langfristig dem Patientenaufkommen.

Bevor die Suche beginnt, sollten folgende Fragen klar beantwortet sein:

Vollzeit oder Teilzeit?

Teilzeitmodelle (20–30 Std.) erschließen einen deutlich breiteren Kandidatenkreis – besonders bei Therapeutinnen mit familiären Verpflichtungen.

Welche Spezialisierung wird benötigt?

Manuelle Therapie, Sportphysio, Neurologie, Pädiatrie – ein klar definiertes Anforderungsprofil spart Zeit im Auswahlprozess.

Was kann die Praxis bieten?

Gehalt, Taktung, Fortbildungsbudget, Flexibilität – je klarer die Praxis ihr Angebot kennt, desto überzeugender kann sie es kommunizieren.

Wann soll die Stelle besetzt sein?

Realistischer Planungshorizont: Mit Social Recruiting 4–8 Wochen, mit Stellenportalen 3–5 Monate. Frühzeitig starten spart Opportunitätskosten.

02

Den richtigen Kandidaten finden

Das größte Missverständnis beim Recruiting: Der Großteil qualifizierter Physiotherapeuten sucht nicht aktiv. Stellenportale und Personalvermittler bedienen nur den kleinen aktiv suchenden Anteil – schätzungsweise 20–25% des Marktes.

Klassische Methoden

  • Nur aktiv Suchende erreichbar (~20–25%)
  • Stellenportale: 500–2.000 € ohne Garantie
  • Headhunter: 8.000–13.000 € Provision
  • Ø 157 Tage bis Besetzung
  • Kein Einblick in den Prozess

Social Recruiting

  • Passiver Markt erreichbar (~75–80%)
  • Transparente Pauschale, keine Provision
  • Präzises Targeting nach Region + Profil
  • 4–8 Wochen bis Besetzung
  • Vollständig messbar und steuerbar
Wer nicht sucht, ist oft der bessere Kandidat

Therapeuten, die gerade nicht aktiv suchen, haben ihren Job nicht aufgrund von schlechter Leistung verloren. Sie wechseln aus positiven Motiven – besseres Angebot, bessere Rahmenbedingungen. Das macht sie oft zu stabileren Langzeitangestellten.

03

Gehalt und Vergütung: Was marktgerecht ist

Das Gehalt ist der wichtigste Hebel – und der häufigste Grund, warum Praxen keine Bewerbungen bekommen. Wer unter Marktniveau bezahlt, sieht das im Bewerbungseingang sofort.

Berufseinsteiger
2.800–3.000 €
Mit Erfahrung
3.000–3.500 €
Spezialisiert / leitend
3.500–4.500 €
Vergütungskomponente Betrag / Richtwert Hinweis
Bruttogehalt Vollzeit 2.800–3.800 € Je nach Erfahrung, Region, Spezialisierung
Arbeitgeberanteil Sozialversicherung ~20% des Bruttos Kranken-, Renten-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung
Fortbildungsbudget (empfohlen) 500–1.500 € / Jahr Bindungsfaktor, wirkt auf Arbeitgeberattraktivität
Fahrtkosten / Benefits variabel Jobticket, Parkplatz, Gesundheitsbudget
Gesamtkosten pro Monat (Vollzeit) ca. 3.400–4.600 € Arbeitgeberseitige Gesamtkosten inkl. Nebenkosten
⚠️
Gehalt im Stellenangebot nennen

Praxen, die das Gehalt offen kommunizieren, bekommen mehr und bessere Bewerbungen. Floskeln wie „leistungsgerechte Vergütung" werden von erfahrenen Therapeuten als Warnsignal gewertet.

04

Arbeitsvertrag: Was hineingehört

Ein rechtssicherer Arbeitsvertrag schützt beide Seiten. Diese Punkte sollten immer schriftlich geregelt sein:

Tätigkeitsbeschreibung

Welche Behandlungsformen, welche Patientengruppen, ggf. Verwaltungsaufgaben oder Praxisorganisation.

Arbeitszeit und Pausen

Wochenstunden, Verteilung auf Wochentage, Regelung von Überstunden und Freizeitausgleich.

Vergütung und Sonderzahlungen

Bruttogehalt, Auszahlungstermin, ggf. Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Bonusregelungen.

Urlaubsanspruch

Gesetzliches Minimum: 20 Tage (5-Tage-Woche). Marktüblich in der Physiotherapie: 25–30 Tage.

Probezeit und Kündigungsfristen

Probezeit max. 6 Monate, Kündigung während der Probezeit mit 2 Wochen Frist. Danach gesetzliche Staffelung.

Fortbildungsregelung

Wer trägt die Kosten? Gibt es eine Rückzahlungsklausel bei frühem Austritt? Klare Schriftform vermeidet Konflikte.

Schweigepflicht und Datenschutz

Therapeuten sind gesetzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet – eine Klausel im Vertrag unterstreicht das und schafft Klarheit.

05

Rechtliche Pflichten beim Einstellen

Wer zum ersten Mal einen Mitarbeiter einstellt – oder nach längerer Pause wieder – sollte diese Pflichten kennen:

1

Qualifikation prüfen

Die staatliche Anerkennung als Physiotherapeut (Urkunde) muss vor Arbeitsbeginn vorliegen. Bei Therapeuten aus dem Ausland: Anerkennungsbescheid der zuständigen Behörde prüfen.

2

Sozialversicherung anmelden

Der Arbeitnehmer muss vor Arbeitsbeginn bei der Krankenkasse angemeldet werden. Die Meldung erfolgt über das Lohnbuchhaltungssystem oder einen Steuerberater.

3

Berufsgenossenschaft melden

Jede Praxis muss bei der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) gemeldet sein. Neue Mitarbeiter werden dort ebenfalls erfasst.

4

Lohnsteuer und ELSTAM

Der Arbeitgeber ist für den korrekten Lohnsteuerabzug zuständig. Die elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELSTAM) werden automatisch abgerufen.

5

Kassenzulassung beachten

Wer als Leistungserbringer mit den Krankenkassen abrechnet, muss die vertraglichen Anforderungen an Qualifikation und Personalschlüssel im Blick behalten. Bei Neueinstellungen ggf. Kassenmitteilung erforderlich.

💡
Empfehlung: Steuerberater einbinden

Die Lohnabrechnung in einer Praxis mit mehreren Mitarbeitern ist komplex. Ein auf Gesundheitsberufe spezialisierter Steuerberater spart Zeit, vermeidet Fehler und hält die Abrechnungen aktuell.

06

Onboarding: Damit die Einstellung auch hält

Die häufigste Ursache für frühe Abgänge ist kein schlechtes Gehalt – es ist ein schlechtes Onboarding. Wer die ersten Wochen nicht strukturiert gestaltet, riskiert, dass ein guter Therapeut nach der Probezeit wieder geht.

Vor dem ersten Tag: Alles vorbereiten

Arbeitsplatz eingerichtet, Zugänge vergeben, Team informiert. Ein neuer Therapeut, der am ersten Tag auf Chaos trifft, zieht sofort die richtigen Schlüsse.

Woche 1: Orientierung, nicht Überforderung

Praxis, Team, Abläufe, Software – alles strukturiert einführen. Kein voller Terminkalender am ersten Tag.

Monat 1: Regelmäßiges Feedback

Kurze wöchentliche Check-ins vermeiden, dass Probleme unausgesprochen bleiben. Fragen wie „Was läuft gut? Was ist noch unklar?" signalisieren echtes Interesse.

Probezeit-Gespräch aktiv führen

Nicht abwarten, bis die Probezeit endet. Ein strukturiertes Gespräch nach 4–6 Wochen zeigt, dass die Praxis langfristig denkt.

07

Häufige Fragen

Was muss ich beachten, wenn ich einen Physiotherapeuten einstellen will?
Neben dem Arbeitsvertrag mit geregelter Vergütung, Arbeitszeit und Urlaubsanspruch müssen Praxen die staatliche Anerkennung des Therapeuten prüfen, die Anmeldung bei Krankenkasse und Berufsgenossenschaft vornehmen und ggf. kassenseitige Meldepflichten beachten.
Was kostet es, einen Physiotherapeuten einzustellen?
Das Bruttogehalt liegt heute realistisch bei 2.800–3.800 €. Dazu kommen Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung (ca. 20%), eventuelle Recruiting-Kosten (0 bis 13.000 €) und Einarbeitungsaufwand. Die Opportunitätskosten einer langen Vakanz betragen ca. 6.400 € pro Monat.
Wie lange dauert es, einen Physiotherapeuten einzustellen?
Mit klassischen Methoden beträgt die durchschnittliche Vakanzzeit über 157 Tage. Mit Social Recruiting berichten Praxen von Besetzungszeiten zwischen 4 und 8 Wochen – sofern das Arbeitsangebot stimmt.
Wie viel Urlaub steht einem Physiotherapeuten zu?
Gesetzlich sind bei einer 5-Tage-Woche mindestens 20 Urlaubstage vorgeschrieben. Marktüblich in der Physiotherapie sind 25–30 Tage – wer weniger anbietet, hat es im Wettbewerb um gute Kandidaten schwerer.
Was ist die Probezeit beim Einstellen eines Physiotherapeuten?
Die Probezeit darf maximal 6 Monate betragen. Während der Probezeit gilt eine Kündigungsfrist von 2 Wochen. Danach gilt die gesetzliche Staffelung nach Betriebszugehörigkeit.

Physiotherapeut einstellen – schnell und planbar

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